+ - =
LIONS CLUB MERANO-MERAN HOST
"We serve"

Lionsfreund Thomas Oberhofer bei seinem Einsatz in Kamerun

Dec 06 2011
news >>

Zusammenfassung

Ein Orthopädenteam der Praxis Orthoplus Bozen (Dr. Thomas Oberhofer und Dr. Günther Ziernhöld)   sowie ein befreundeter schweizer Kollege reisten Ende November erneut zur Entwicklungshilfe nach Kamerun. Dort wurde unter anderem  die erste Hüftprothese in der Region Nordwest - Kamerun operiert. Ein großer Schritt, um den zum Teil jungen Patienten mit einer Arthrose am Hüftgelenk ein normales und  schmerzfreies Leben zu ermöglichen. Neben weiteren Implantationen von  Hüftprothesen wurde auch die erste arthroskopische Operation am Knie durchgeführt. Außerdem  stellten die drei Orthopäden durch mehrere schwierige Operationen veralteter und fehlverheilter Knochenbrüche die Arbeitsfähigkeit vieler Menschen wieder her.

Lions Club Merano Meran Host:
Finanzierung des Arthroskopiegerätes  für das Njinikom Hospital, Kamerun

Zeitungsbericht RADIUS 12 2011

Bericht von Thomas Oberhofer

BERICHT von Lionsmitglied Dr. Thomas Oberhofer über den Aufenthalt im St. Martin de Porres Catholic Mission Hospital, Njinikom Kamerun vom 26. November bis 3. Dezember 2011.

Am Samstag, den 26. November wurden wir in Douala am späten Abend von Sr. Christa Pardeller vom Flughafen abgeholt. Das mit dem Flugzeug gesendete Paket mit den Prothesen und dem Arthroskopiegerät stand schon für den Transport nach Njinikom bereit. Am Sonntagabend  kamen wir nach 8 stündiger Fahrt mit dem Kleinbus in Njinikom an. Dort erwarteten uns bereits Oberin Sr. Xaveria und der leitende Arzt Dr. Lazare. Nach einem  Abendessen mit heimischen „Spezialitäten“ erstellten wir  gemeinsam den Plan für die kommende Woche.

Am Montag waren wir mit Dr. Lazare in seiner “Consultation“ und auf den Krankenstationen, wo uns die Patienten für die Operationen der folgenden Tage vorgestellt wurden. Am Nachmittag haben wir die Hüftprothesen, die mitgebrachten Instrumente, Abdecktücher und die OP-Kleidungen ausgepackt und eingeordnet. Das Arthroskopiegerät wurde zusammengestellt und für den ersten Eingriff bereitgemacht. Bei der abendlichen Diskussion wurde uns schließlich bewusst, dass wir die von Dr. Lazare vorgestellten Patienten sicher nicht alle in der vorgesehenen Zeit operieren könnten, da einige Eingriffe unter den gegebenen afrikanischen Umständen sicher nicht einfach sein würden.

Am Dienstag haben wir das erste künstliche Hüftgelenk bei einer Ordensschwester eingesetzt, welche vor einiger Zeit an der Gegenseite von Dr. Oberhofer in der Marienklinik Bozen operiert wurde. Die Anspannung vor der Operation war groß, da wir zusätzlich an sehr viele, in Europa selbstverständliche Dinge denken mussten. Die Operation verlief sehr gut, bei unserer Abreise war die Schwester wohlauf und konnte schon wieder die ersten Schritte selbständig machen. Neben anderen kleineren Eingriffen haben wir bei einem 32-jährigen Mann einen Unterschenkelbruch operiert, der 3 Monate nicht behandelt worden war.

Am Mittwoch erhielten der zweite und der dritte Patient ein künstliches Hüftgelenk, zwischen den beiden Operationen  haben wir neben anderen kleineren Eigriffen die erste Arthroskopie am Kniegelenk durchgeführt. Die Arthroskopie ist für dieses Gebiet eine wertvolle diagnostische Bereicherung, da die nächste Computertomographie oder Kernspintomographie über 1500 km entfernt sind.

Am Donnerstag haben wir erneut zwei künstliche Hüftgelenke eingesetzt und schwierige Eingriffe bei zwei veralteten Unterschenkelbrüchen vorgenommen.

Freitag war der schwierigste und längste Tag: 2 nicht behandelte und nicht geheilte Oberschenkelbrüche (6Monate bzw. 2 Jahre alt), ein veralteter, voroperierter Oberarmbruch, eine 6 Monate alte traumatische Hüftverrenkung mit Beckenbruch und einige kleinere Eingriffe standen auf dem Programm. Wir waren jeden Tag von 8 bis 17 Uhr am Nachmittag im Operationssaal, anschließend haben wir mit Dr. Lazare Patienten untersucht und für unsere kommenden Aufenthalte vorgemerkt. Am letzten Tag war um 21 Uhr unsere letzte Visite, bei der wir feststellten, dass wir eigentlich noch sehr viel zu tun hätten.

Am Samstag haben wir Njinikom, müde aber mit dem Bewusstsein den Patienten geholfen zu haben, in Richtung Douala verlassen und sind am Abend wieder nach Europa zurückgeflogen.Das Krankenhaus in Njinikom hat ca. 175 Betten, eine chirurgisch- unfallchirurgisch- orthopädische Station, welche von Dr. Lazare geführt wird. Eine internistische Abteilung wird von einem amerikanischen Arzt für einige Jahre geleitet, eine geburtshilfliche Abteilung betreut ein Arzt aus Kamerun. Der Operationstrakt besteht aus zwei Operationssälen  mit ausgemusterten  OP - Tischen und Geräten aus Europa, die aber recht gut funktionieren. Meistens läuft bei größeren Eingriffen der Generator mit um längere Stromausfälle und Verzögerungen während der Operationen zu vermeiden. Lediglich das Sterilisationsgerät ist etwas problematisch. Die mitgebrachten Indikatoren zur Überprüfung der Sterilität zeigen einen Sterilitätsgrad an, der den Ansprüchen in unseren Krankenhäusern nicht gerecht würde. Mit dem im Hause vorhandenen Instrumentarium hätte der Großteil der Operationen nicht durchgeführt werden können!

Ermöglicht wurde unsere Arbeit durch die Unterstützung und die Spenden folgender Organisationen: Lions Club Meran Host, Südtiroler Ärzte für die dritte Welt, „Klinik am Rosenberg“ St. Gallen, Schweiz, Firma Falcon, Meidling, Österreich und eines Unternehmers aus Bozen.

Ein Orthopädenteam der Praxis ORTHOPLUS in Bozen wird zusammen mit befreundeten Kollegen aus der Schweiz, aus Österreich und aus Deutschland auch weiterhin regelmäßig nach Kamerun reisen, um dort Entwicklungshilfe zu leisten. Die nächsten Aufenthalte sind für April und Oktober 2012 geplant, inzwischen wird auch Dr. Lazare aus Kamerun zu Besuch in die Schweiz und nach Bozen in die Marienklinik kommen, um hier die

europäischen Standards und Operationsmethoden zu erlernen.

Abschließend möchten wir-wohl am besten im Namen der Patienten, die wir erfolgreich behandeln konnten-allen danken, die uns unterstützt haben.

Dr. Thomas Oberhofer und Dr. Günther Ziernhöld
Bozen, am 6. Dezember 2011

Zurück